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Wolfgang Lamché - Kunst aus Ennigerloh für die ganze Welt

Wolfgang Lamché - Kunst aus Ennigerloh für die ganze Welt

Wir von DEIN ENNIGERLOH waren zu Besuch bei Wolfgang Lamché - einer schillernden Ennigerloher Persönlichkeit. Mit seinen Kunstwerken aus Bronze und Stahl ist er weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Ausstellungen in der ganzen Welt – sei es in Montreal, New York, Hongkong oder in vielen Städten Europas – und Kunden in aller Welt sind Indiz für die Qualität seiner Kunst.

Erfahren Sie im folgenden Interview mehr über den Künstler, seinen Werdegang und seinen ganz eigenen Blick auf Kunst.

1. Herr Lamché, wie sind Sie zu dieser Kunstform gekommen?

Das ist ganz einfach: In der Schulzeit habe ich in einer Werbeagentur als freier Mitarbeiter gearbeitet und wollte anschließend mit Soziologie, Psychologie und BWL in die Werbung gehen. Da mein Vater schon gestorben war, musste ich mein Studium selbst finanzieren und habe bei einem Steinmetzen gearbeitet, um das zu überbrücken und zu finanzieren. Dann habe ich in der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster mit BWL angefangen: Ein Semester, sehr erfolgreich mit vier Scheinen, so hieß das damals noch, aber ich habe gesehen, dass das nichts für mich ist. Finanzmathematik und sowas, das war nichts für mich. Ich konnte nicht sehen, was ich mit meinen Händen machte, und so habe ich das kurzerhand an den Nagel gehängt und bin beim Steinmetzen angefangen, wo ich schon vorher einen Ferienjob gemacht hatte. Nach einer darauffolgenden Lehre und der Meisterprüfung habe ich den Betrieb übernommen.

Mir war von vornherein bewusst, dass ich nicht nur Grabmale machen, sondern auch in Richtung Kunst arbeiten wollte. Durch das BWL-Studium hatte ich aber so viel schon gelernt: Dass ohne Moos nix los ist. Deshalb habe ich erst einmal 14 Jahre meinen Steinmetz-Betrieb gemacht und damit meine Kunst finanziert. Nach 14 Jahren, d.h. ab 1988, wurde ich schließlich selbstständiger, freischaffender Künstler.

Angefangen habe ich mit Stein natürlich und dann erst mit kleinen Bronzen, dann größeren Bronzen, und dann ergab es sich, dass ein Kunde etwas in Stein haben wollte: das war sehr schön, aber doch ein bisschen langweilig, so eine riesengroße Vogeltränke in rotem Sandstein. Ob man da nicht was machen könnte. Ich habe vorgeschlagen: „Machen wir da doch am besten einen Pfau drauf.“ „Ja“, sagte er, „Prima! Können Sie das denn?“ Ich sagte: „Klar kann ich das!“ Da habe ich die erste Tierbronze gemacht und dann ging das so weiter. Ein anderer Kunde sah das und sagte: „Toll, aber können Sie nicht auch Fischreiher modellieren?“ Das war der Beginn des Zyklus "Tierbronzen", mittlerweile sind es über 220 verschiedene. Eine große Hilfe ist meine Mitarbeiterin, Bea Wiesner, die seit über 30 Jahren schon mit mir zusammenarbeitet und nicht nur organisiert, sondern auch modelliert und das sehr gut - insbesondere als Spezialistin für Pferde.

Durch Aufgabenstellungen ergab es sich, dass ich ein Projekt bei der Firma Polysius in Neubeckum, heute Thyssen-Krupp, durchführen sollte. Naturstein und Bronze waren nicht die Lösung, deshalb habe ich mit Edelstahl experimentiert und bin zu einem wunderbaren Ergebnis gekommen. So ergab sich eine große Bandbreite von Kunstwerken: Lichtschwingen, naturalistische und abstrakte Bronzen, Kunst am Bau und Objekte in Edelstahl. Mein Schaffen deckt so die gesamte Bandbreite des Bereichs dreidimensionalen Schaffens ab.

Ich habe mittlerweile viele Objekte in Deutschland stehen, auch größere Objekte, z.T. 200 Meter lang, 15 Meter hoch, die kann man hier natürlich nicht sehen, weil die immer irgendwo stehen - in Essen, auf Norderney, in Hamburg oder wo auch immer. Durch meine Tierbronzen, speziell Pferde, bin ich in aller Welt zuhause. 1988 habe ich bei den Olympischen Spielen in Seoul das letzte Hindernis im olympischen Parkour mit Olaf Petersen damals geschaffen. Ich war selbst zehn Tage da. Mittlerweile habe ich Kunden in Australien, China, Südkorea, Amerika, überall in Europa. Und das alles aus Ennigerloh.

2. Was sind die besonderen Reize Ihrer Arbeit?

Der Reiz ist, das, was ich mache, perfekt umzusetzen. Dazu kommen Kundenwünsche, d.h. sie geben mir Aufgaben oder Wünsche, ich setze sie aber auf meine Art und Weise um. Ich mache also nicht für jeden Kunden das gleiche, sondern ich gucke mir den Ort an, wo es hin soll, ob es ein Wohnzimmer ist, ein Platz, eine Firma, ein Foyer und lasse den Genius Loci, den Geist des Ortes, auf mich wirken und entscheide dann für mich, was ich für den Kunden machen will und bespreche es dann mit ihm. Was mich besonders glücklich macht mit meiner Arbeit ist, dass, wenn ich mal nicht mehr bin, meine Objekte weiterhin Bestand haben. Das ist schon ein sehr sehr schönes Gefühl.

3. Sie reisen viel. Können Sie uns ein paar Highlight-Orte nennen, wo heute Ihre Kunst zu bestaunen ist und speziell wer sich tagtäglich daran erfreut?

Eine besondere Reise war eben Soul 1988, da habe ich dann auch zehn Tage im Olympic Family Town gewohnt. Das war gigantisch. Unglaublich, wie viele Nationen da zusammen sind, wie der Zusammenhalt da ist. Wir sind einmal abends essen gegangen, da waren wir mit zehn Leuten acht Nationen am Tisch. Das passiert natürlich nur da.

4. Die Nachbarstädte haben meist einen künstlerischen Wiedererkennungsfaktor wie z.B. die Pferde in Warendorf oder die Kugeln in Westkirchen. Gibt es eine Idee für Ennigerloh, die Sie gern umsetzen würden?

Vor acht oder zehn Jahren hatte ich mal den Gedanken, weil ich eben so viele Viecher habe (Viecher sage ich immer liebevoll – nicht despektierlich, sondern respektierlich), zu sagen: „Ennigerloh – tierisch gut“. Wir könnten einen Esel vors Rathaus stellen (besser den Esel vorm Rathaus als im Rathaus). Die einzelnen Firmen könnten sich auch einbringen, oder Privatleute, die sagen: „Oh, das finde ich ganz toll!“ Die würden sich dann zum Beispiel nur ein paar Spatzen auf die Fensterbank setzen. Man könnte Ennigerloh dann also „tierisch gut“ machen und es wäre ein sehr sehr weitgreifender Wiedererkennungswert. Selbst der Bürgermeister war schon mal hier, hat auch selbst diesen Slogan „Ennigerloh – tierisch gut“ ins Gespräch gebracht, aber er sagte auch: „Ohne Moos nix los.“ Wenn man dann aber die Geschäftsleute und Privatleute mit einbeziehen würde, könnte ich mir vorstellen, dass das was werden könnte. Man kann zum Beispiel einfach nur eine wunderschöne Eidechse irgendwo auf einen Kantenstein machen, vor irgendeinem Geschäft, es gibt Möglichkeiten ohne Ende. Das könnte ich mir für Ennigerloh vorstellen.

5. Dürfen Sie schon von neuen Ideen berichten, bzw. was sehen wir zukünftig von Ihnen?

Neue Ideen habe ich laufend. Ich bin immer im Gespräch mit Kunden. Ich habe gerade schon wieder eine Mail an einen Kunden geschrieben, der etwas Besonderes haben will.
Im Moment habe ich gerade eine Wettbewerbsarbeit für die Uni-Klinik in Greifswald in Arbeit, die ich zunächst als Modell umgesetzt und dann nach Greifswald gebracht habe. Ich war jetzt vor zwei Monaten da, habe eine Ortsbesichtigung gemacht. 77 Künstler hatten sich beworben, sechs hatte man ausgewählt, die jetzt tatsächlich Modelle anfertigen oder Entwürfe machen können, einer davon bin ich und da arbeite ich jetzt gerade dran.
Was jetzt in den nächsten Wochen auf mich zukommt ... man weiß es nicht. Das geht von heute auf morgen, da kann sich das alles drehen. Im letzten Jahr habe ich für einen Kunden ein Pferd in Lebensgröße modelliert und in Bronze gießen lassen, das steht jetzt in Österreich. Es gibt immer wieder neue Aufgaben und ich habe schon so viele. Und trotzdem mache ich immer wieder Neues. Im Moment habe ich wieder eine Sache in der Gießerei, die in drei bis vier Wochen bei mir erscheinen wird. Es ist immer etwas im Gange.

6. Wann kann man Ihre Ausstellung an der Ostenfelder Straße besichtigen? Jederzeit oder nach Absprache?

Von draußen kann man immer gucken, und ansonsten nach terminlicher Absprache. Es ist immer schön, wenn ich dabei bin, dann kriegen die Kunden auch viel mehr mit als wenn ich nicht dabei bin.

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